Longevity-Mentor und Gesundheitsexperte für Menschen, die aktiv, selbstbestimmt und möglichst lange frei leben wollen

Dass wir mit zunehmendem Alter körperliche Veränderungen erleben, betrifft uns alle. Bewegungen können weniger selbstverständlich werden, Kraft und Belastbarkeit verändern sich, die Regeneration dauert manchmal länger und irgendwann melden sich die ersten kleinen Beschwerden. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist jedoch nicht allein, dass wir älter werden. Entscheidend ist, wie wir älter werden – und welchen Einfluss wir selbst darauf nehmen.

Genau darin liegt für mich einer der wichtigsten Gedanken rund um gesundes Älterwerden. Es geht nicht darum, jeden körperlichen Abbau verhindern zu wollen oder einem unrealistischen Ideal ewiger Jugend hinterherzulaufen. Es geht um das „mehr oder weniger“. Wie viel Kraft verliere ich? Wie beweglich bleibe ich? Wie gut kann ich mich von Belastungen erholen? Wie lange kann ich die Dinge tun, die mir wichtig sind? Und wie viel Freiheit bleibt mir dadurch erhalten?

Vor vielen Jahren saß ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann bei mir zum Anamnesegespräch. In seinem bisherigen Leben hatte sich vieles darum gedreht, beruflich erfolgreich zu sein und Geld zu verdienen. Seine Frau hatte ihn schließlich dazu bewegt, sich einmal mit seiner körperlichen Situation zu beschäftigen. Eine seiner Aussagen aus diesem ersten Gespräch habe ich bis heute nicht vergessen. Sinngemäß sagte er zu mir: „Frank, ich habe bis zur Jugend Fußball gespielt und seitdem keinen Sport mehr gemacht. Ein paar kleine Zipperlein habe ich, aber verglichen mit meinen Freunden und Bekannten geht es mir eigentlich ganz gut. Meine Frau hat mich zu dir geschickt und gesagt, ich soll mir das hier einmal anschauen. Aber ich sage dir gleich: Ich habe überhaupt keine Lust auf Sport. Du musst dich also schon ziemlich bemühen, wenn ich wiederkommen soll.“

Er kam wieder. Nicht nur einmal, sondern über Wochen, Monate und schließlich Jahre. Nicht, weil aus ihm plötzlich ein begeisterter Sportler geworden wäre. Sondern weil er einen Zusammenhang verstanden hatte, der weit über Training hinausgeht: Wenn ich später körperliche Reserven haben möchte, muss ich heute beginnen, auf mein Gesundheitskonto einzuzahlen.

Dieses Bild begleitet mich bis heute. Wir investieren selbstverständlich Zeit, Aufmerksamkeit und Geld in viele Bereiche unseres Lebens, weil wir wissen, dass sich gute Entscheidungen langfristig auszahlen. Bei unserer Gesundheit handeln wir dagegen häufig erst dann, wenn bereits etwas nicht mehr funktioniert. Dabei entsteht körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht erst in dem Moment, in dem wir sie benötigen. Wir bauen sie über Jahre auf – oder verlieren sie Stück für Stück.

Für uns Segler ist dieser Gedanke besonders greifbar. Wir warten unser Schiff, kontrollieren die Technik, ersetzen Verschleißteile und bereiten uns auf kommende Etappen vor. Niemand würde ernsthaft auf die Idee kommen, jahrelang nichts zu tun und sich darauf zu verlassen, dass im entscheidenden Moment schon alles funktionieren wird. Bei unserem eigenen Körper sollten wir nicht grundsätzlich anders denken.

Gesundes Älterwerden bedeutet deshalb für mich nicht, Krankheit um jeden Preis verhindern zu wollen. Es bedeutet, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, möglichst lange körperlich und geistig leistungsfähig, selbstständig und frei zu bleiben. Dafür braucht es keine permanente Selbstoptimierung und auch kein Leben, das sich nur noch um Gesundheit dreht. Viel wichtiger sind einige grundlegende Dinge, die wir verstehen und anschließend konsequent in unseren Alltag integrieren.

Bewegungsqualität, Kraft und Ausdauer gehören ebenso dazu wie Ernährung, Atmung, guter Schlaf und Regeneration. Auch unser Umgang mit Stress, unsere mentale Gesundheit, soziale Beziehungen und eine sinnvolle Gesundheitsvorsorge spielen eine Rolle. Kein einzelner dieser Bereiche entscheidet allein darüber, wie wir älter werden. Zusammengenommen können sie jedoch erheblich beeinflussen, wie belastbar wir in zehn, zwanzig oder vielleicht dreißig Jahren noch sind.

Und genau hier beginnt Eigenverantwortung. Nicht mit Perfektion. Nicht mit radikalen Veränderungen. Sondern mit der Entscheidung, sich überhaupt auf den Weg zu machen und den eigenen Kurs bewusst zu bestimmen.

Denn Gesundheit ist für mich kein Selbstzweck. Sie ist die Grundlage für das, was wir mit unserem Leben noch vorhaben. Für Reisen, Abenteuer und Begegnungen. Für die Fähigkeit, unser Schiff auch in einigen Jahren noch sicher zu führen. Für die Freiheit, selbst entscheiden zu können, wohin wir fahren, wie wir leben und was wir uns noch zutrauen.

Mein Ziel ist es deshalb nicht, dir vorzuschreiben, wie du leben sollst. Ich möchte dir dabei helfen zu verstehen, welche Stellschrauben für gesundes Älterwerden wirklich relevant sind, was wissenschaftlich sinnvoll ist und wie du dieses Wissen so in deinen Alltag integrieren kannst, dass es auch langfristig funktioniert.

Du musst dafür nicht dein gesamtes Leben verändern. Aber du solltest rechtzeitig beginnen, auf dein eigenes Gesundheitskonto einzuzahlen.

Denn ein guter Kurs entsteht nicht erst dann, wenn das Wetter schwierig wird.

Er wird vorher gesetzt.

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